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Berichte zur Kategorie "Ausbildung"

Mosbach: Hier können auch Rettungshunde den Ernstfall üben

Ursula Brinkmann (Rhein-Neckar-Zeitung) | |  Übung  Ausbildung

Beste Trainingsbedingungen für Hundeführer aus mehreren Bundesländern. Vom 17. bis 19. August war das THW Viernheim im Ausbildungszentrum in Mosbach mit vier Hundeführern und acht Hunden vertreten.

Von Ursula Brinkmann (Rhein-Neckar-Zeitung)

Mosbach. Der Brückeneinsturz von Genua führt es aktuell vor Augen: Es gilt, unter Trümmern verschüttete Menschen zu finden. Es ist die Stunde von Rettungshunden, deren feine Nasen sie zu lebenden Verunglückten führen können. Solche und ähnliche Szenarien wünscht sich niemand. Um aber für einen Rettungseinsatz vorbereitet zu sein, muss trainiert werden. Das taten am vergangenen Wochenende Hundeführer-Teams des Technischen Hilfswerks (THW) und von Feuerwehren aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Bayern und Niedersachsen bei einem gemeinsamen Training auf dem Übungsgelände des "Training Centers Retten und Helfen" (TCRH).

Rund 80 Hunde und etwa 100 Frauen und Männer nutzten von Freitag bis Sonntag das weitläufige Gelände der ehemaligen Neckartalkaserne, das 2015 als Ausbildungs- und Schulungszentrum für den Katastrophenschutz errichtet wurde. Wobei von "Errichten" eher nicht die Rede sein kann, denn was sich den Helfern bietet, sind realistisch nachgestellte Einsatzszenarien mit kaputten, ineinander verschachtelten Betonwänden, ins Nichts führenden Treppen, ausgebrannten Autos oder überall herumliegenden Trümmerteilen. Allerdings gibt es auch Schulungsräume, Übernachtungskapazitäten und eine Kantine. Alles neu und intakt.

Von diesen Möglichkeiten regelrecht begeistert ist nicht nur Eveline Kümper, Hundeführerin des THW Viernheim, die sich das TCRH zuvor angesehen hatte. "Einmal im Jahr kommen wir zu einem großen, gemeinsamen Training zusammen, und in Mosbach haben wir ausgezeichnete Bedingungen wegen der Größe und der Verschiedenheit des Areals." Neun Stationen werden in ca. zehnköpfigen Teams nacheinander durchlaufen, wobei, so die Rettungshunde-Ausbilderin, "jeder Teamleiter eigenverantwortlich ein Szenario entwirft."

An einer Hauswand wird das Abseilen geübt, Vier- und Zweibeiner gemeinsam am Seil. "Für uns beide ist es das erste Mal", ist Thomas Baulig von der Feuerwehr Lahnstein stolz auf seine Hündin. In einer Turnhalle mit lauter verschlossenen Türen müssen die Hunde die herausfinden, hinter der sich ein Mensch verbirgt. "Für Ben kein Problem", lobt Steffen Rieger vom THW Sulzbach-Rosenberg seinen schwarzen Labrador-Schäferhund-Mischling im fahrenden Bus, was ebenfalls gelernt sein will. Auf dem Dach eines zerstörten Busses liegt ein "Verunglückter", in einer abgedeckten Betonröhre auf der Spitze eines Trümmerbergers verbirgt sich ein anderer, in demselben chaotischen Haufen fehlt für die Spürnase jegliche Geruchsspur, weil die Versteckperson einen geheimen Zugang zum Versteck genommen hat. "Das macht es noch schwieriger", konnte Hundeführerin Patrizia Belem sich auf ihre "Quiz" in allen Situationen verlassen.

Befragt danach, weshalb sie und die anderen ehrenamtlichen Helfer all das auf sich nehmen (in voller Montur mit Helm und Handschuhen bei heißem Wetter in Trümmerhaufen herumzusuchen), antwortet Bellem: "Es macht Spaß und helfen kann ich so auch noch." Jovan Popovic, seit 1996 beim THW Perl-Obermosel, ist über sein Engagement beim Technischen Hilfswerk "auf den Hund gekommen". "Ich habe mir meine Mischlingshündin Kessy dann ganz gezielt im Tierheim ausgesucht", beschreibt er, dass es keine besonders geeignete Rasse gebe. "Offen müssen sie sein", ergänzt Eveline Kümper, "offen für Menschen und neue Eindrücke."

Gleichwohl werde viel verlangt, fährt sie fort, "das ist Stress für Hund und Mensch!" Wie im echten Einsatz, den sie - wie die meisten hier - selbst noch nicht erlebt hat. "Wir trainieren für den Ernstfall, aber wünschen tun wir uns das ja nicht wirklich." Wenn’s einfach wäre, lobt Markus Hoffmann von der Feuerwehr Rheinland-Pfalz das anspruchsvolle "Supergelände", hätte man ja zuhause üben können.

Ein Moment an Station fünf macht deutlich, wofür hier alle Beteiligten sich einsetzen. Kessy hat die Versteckperson auf dem Dach des Busses aufgespürt und tut das mit aufgeregtem Bellen kund. Erkennbar große Freude bei Hund und Mensch. Wie groß muss die Freude erst sein, wenn in einem echten Einsatz ein unter Trümmern verschütteter Mensch geborgen werden kann…