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Fahren im Gelände

Norbert Martin | |  Ausbildung

Die Feuerwehr Viernheim und das THW Heppenheim üben heute am Samstag gemeinsam mit dem THW Viernheim das Fahren im Gelände in einem Steinbruch bei Mackenheim. Dies ist für die Helfer der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes kein Selbstzweck, sondern zur Aufgabenerfüllung notwendig. Ein „Nichtdurchkommen“, d.h. Steckenbleiben kann im Extremfall das Leben der Fahrzeugbesatzung gefährden.

Um 8 Uhr beginnt die Übung für die Viernheimer Kraftfahrer mit einer theoretischen Unterweisung. Dazu gehört auch die Kontrolle der Führerscheine. Dann werden die Fahrer auf die im THW gültigen Vorschriften hingewiesen. Zum Beispiel muss jede Fahrt mit einem Dienstfahrzeug im Fahrtenbuch geführt werden; vor Fahrtantritt muss das Fahrzeug einer kurzen Abfahrtkontrolle unterzogen werden. Selbstverständlich gibt es auch beim Fahren mit Sondersignal (Blaulicht und Martinshorn) einiges zu beachten.

Für Geländefahrten gelten andere Gesetzmäßigkeiten als auf Asphalt. Das Fahren im Gelände erfordert Wissen und Erfahrung. Wissen über die physikalischen Grundlagen, über die technischen Möglichkeiten des Fahrzeuges und Erfahrung mit der praktischen Handhabung im Gelände. Wer sich auf die „Pferdestärken“ unter seiner Motorhaube verlassen will und seinen Verstand im „Gasfuß“ hat, wird schnell einen Einbruch erleben. 

Das erforderliche Wissen über das Fahren im Gelände kann man sich aneignen, Erfahrung im Gelände kann man jedoch nur durch Ausprobieren gewinnen. So ist das erste Ziel das Übungsgelände des THW Heppenheim. Dort ist der Sammelpunkt, bei dem die Heppenheimer Fahrzeuge dazustoßen.

Das nächste Ziel ist ein Steinbruch bei Mackenheim im Odenwald. Dorthin soll im geschlossenen Verband gefahren werden. Der Ortsbeauftragte des THW Heppenheim Hans-Werner Bülle wiederholt für die Fahrer noch einmal die Regeln. Alle Fahrzeuge des Verbandes sind mit blauer Flagge zu kennzeichnen, nur das letzte Fahrzeug führt eine grüne Flagge. Fahrzeuge, die im geschlossenen Verband fahren, gelten als ein Fahrzeug. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Fahrzeuge des Verbandes, auch beim Umschalten der Ampel von grün auf rot, zusammen bleiben und weiterfahren.

Im Einsatzfall kommt das Fahren im geschlossenen Verband beim THW häufiger vor. Für die Teilnehmer der Feuerwehr ist das neu. Deshalb ist es wichtig, dass die Fahrer dieses üben. Nur so können sie sich mit den Besonderheiten und den Gefahren des Fahrens im geschlossenen Verband vertraut machen. 

Letztendlich war das Fahren im geschlossenen Verband nur für die übrigen Verkehrsteilnehmer ein Problem. Denn wann begegnet man heutzutage auf der Straße einem solchen Konvoi?
Eigentlich ist es jedoch ganz einfach: Wenn man auf einen solchen Verband trifft, abwarten bis das letzte Fahrzeug vorbeigefahren ist.

Angekommen in Mackenheim ist die erste Aufgabe das Herrichten der Garnituren zum gemeinsamen Frühstück. Die Viernheimer Helfer haben für deftiges Essen gesorgt. Gut gestärkt geht es dann auf die Piste.

Was zunächst wie eine harmlose, etwas verschlammte Straße aussieht,  sorgt spätestens beim Anblick der Steigungen für offene Münder bei den Fahrern. „Da soll ich rauf? Das schafft man ja kaum zu Fuß!“, murmelte ein Fahrer vor sich hin. Aber probieren geht über studieren. Schließlich sind die Fahrzeuge mit Allradantrieb und diversen Sperren ausgerüstet. Gesagt getan: Sperren einlegen, kleiner Gang und dann langsam die Steigung hochklettern. Geht doch. Nach und nach werden die Fahrer mutiger. Keine noch so große Steigung oder kein noch so tiefer Schlamm kann die Fahrzeuge aufhalten. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass der Kriechgang - der Crawler - das schonendste für die Fahrzeuge, ihren Aufbau und die Beladung ist. Lässt man das Fahrzeug sich die Spur suchen und riskiert keine Zugkraftunterbrechung, so ist das Fahren im Steinbruch fast ein Kinderspiel. Trotzdem gehört schon eine Portion Mut dazu, auf schmalen Wegen, auf Steigungen und Gefällen nahe am Abgrund, die Fahrzeuge sicher zu bewegen. 

Es besteht für nicht mehr aktive Helfer der THW Ortsverbände, die sogenannten Reservehelfer, immer wieder die Möglichkeit an Übungen teilzunehmen. Um so mehr freut es die aktiven Helfer, wenn sie am reichhaltigen Erfahrungsschatz der Ehemaligen teilhaben können. Umgekehrt ist es für die Reservehelfer hochinteressant zu sehen, wie sich die Technik im THW weiterentwickelt hat.

Insgesamt sind elf Fahrzeuge der Feuerwehr und des THW im Konvoi unterwegs. Das THW Viernheim nimmt mit seinen vier Großfahrzeugen MZKW, GKW I, MKW-O und Kipper teil. Der MLW fährt nur als Begleitfahrzeug mit. Die Feuerwehr Viernheim versucht sich mit ihrem LF 16/12 (Florian Viernheim 44). Das THW Heppenheim kommt mit drei Großfahrzeugen und zwei Kleinbussen als Begleitfahrzeuge.

Roger Lütz vom THW Viernheim hat den Kontakt zum Steinbruch Mackenheim hergestellt. Der Betreiber ist die Firma Porphyrwerke Weinheim Schriesheim AG, die hochwertige Schotter und Splitte und andere Baumaterialien unterschiedlicher Körnung herstellt. Straßenbau- und Gartenbaubetriebe verwenden gerne das hier gewonnene Material.

An dieser Stelle möchte sich das THW Viernheim noch einmal herzlich beim Betreiber des Steinbruches bedanken, der es möglich gemacht hat, dass wir dort mit unseren Kraftfahrzeugen üben konnten.