Nachdem der Orkan Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2000 große Teile Europas verwüstet hatte, war das Ausmaß dieser Katastrophe unvorstellbar. In Deutschland wurden ganze Wälder nieder gelegt. Besonders stark war Süddeutschland betroffenen. Auch in Frankreich waren große Schäden zu verzeichnen. Teile der Stromversorgung waren dort ausgefallen, weil die Überlandleitungsmasten wie Streichhölzer umgeknickt waren.

Doppelte Herausforderung für das THW:

Für das THW war es eine doppelte Herausforderung. Zum einen, weil man in Deutschland für die Jahrtausendwende eine Einsatzbereitschaft herstellen musste, falls es wegen dem berüchtigten ?Jahr 2000 Bug? zu flächendeckenden Stromausfällen gekommen wäre. Zum Anderen kam die Anforderung von Frankreichs nationalem Stromanbieter EDF an das THW dazu.

Vorbereitung des Einsatzes in Frankreich:

Ende des Jahres 1999 war das THW bereits im Elsass und in Mittel-Frankreich im Einsatz um die entstandenen Sturmschäden zu beseitigen.

Im Januar 2000 wurde der Frankreich Einsatz ausgeweitet und das Gebiet an der Atlantikküste kam hinzu.

Die Geschäftstelle Darmstadt hatte für den geplanten Einsatz an der Atlantikküste ein Modul aus Notstromaggregaten und Bergungshelfer zusammengestellt. Beteiligt waren die südhessischen Ortsverbände Bensheim, Darmstadt, Groß-Gerau, Heppenheim, Lampertheim, Rüsselsheim, und Viernheim. Dieses zusammengewürfelte Modul führte mehrere Notstromaggregate und die dafür notwendige Ausstattung mit.

Sammelpunkt war Darmstadt, dort wurde der hessische Verband für Frankreich zusammengestellt. Die Einsatzleitung für Hessen übernahm der THW-Ortsverband Grünberg.

Der lange Marsch:

Von Darmstadt aus, startet der Konvoi über Saarbrücken ? Paris ? Arès. Ab der französischen Grenze wurde unser Konvoi von Motorrädern der Gendarmerie begleitet. Mit Blaulicht ging es durch ganz Frankreich und Paris.

Einen Ausfall hatten wir: bei einem LKW hatte ein Reifen den weiten Weg nicht standgehalten und platzte. Wir haben dieses Fahrzeug mit seiner Besatzung zurückgelassen müssen, da sich die Reparatur mehrere Tage hinziehen konnte. Denn ein Ersatzreifen war auf die Schnelle nicht zu bekommen.

Einsatz der "Blauen Engel" an der Atlantikküste:

Als wir unser Ziel Ares erreicht hatten, konnten wir in eine Feriensiedlung an der Küste als Unterkunft beziehen. Wir waren die erste THW Einheit in diesem Einsatzabschnitt, deshalb gab es noch keine Führungsstruktur vom THW vor Ort. Dadurch hatten sich die erste Tage etwas schwerfällig hin gezogen, bis die Strukturen klar waren.

Unsere Aggregate wurden dann in der Region verteilt und lieferten Strom für die Bevölkerung. Unter anderem wurden von uns ein Weingut und ein Bauernhof mit Energie beliefert. Die THW-Helfer des Teams, die die Aggregate betrieben, wurden bestens von der Bevölkerung versorgt.

Das andere Team war in einer kleinen Gemeinde in einem Hotel untergebracht und befreite mehrere wichtige Straßen und Wege von Windbruch. Die Bäume hatten sich wie ein Mikado in einander verkeilt und standen teilweise unter sehr starker Druck- und Zugspannung. Das Sägen war eine besonders anspruchsvolle Aufgabe und hatte unser ganzes Können gefordert.

Die letzten Tage des Einsatzes hatten wir damit zugebracht die Stromleitungstrassen der EDF freizuschneiden.

Die Franzosen nannten uns nach diesem Einsatz ehrenvoll: "les ange bleu" auf Deutsch: "Die blauen Engel"

Auch dieser Einsatz ging zu Ende. Es kam schließlich die Ablösung und dann ging es mit einem Reisebus nach Hause.

Zusammenfassung:

Alarmierung vonBMI auf Anfrage aus Frankreich durch EDF
Anzahl Helfer Gesamtca. 400
Helfer THW-ViernheimChristian Busalt, Uwe Tobias
EinsatzdauerDienstag 04.01.2000 bis
Samstag, 15.01.2000 (12 Tage)

Bericht bearbeitet von Christian Busalt am 31.12.2007