Bericht: Bertram Bähr vom 13.10.2007 / Bilder: Peter Ensenauer

Abenteuerliche Anfahrt

Von Frankfurt ging es mit einer Linienmaschine der Condor nach Eriwan, der Hauptstadt von Armenien. Ankunft war am späten Nachmittag.

Das mitgeführte Material wurde von den Einsatzkräften selbst entladen und auf bereitgestellte LKWs verlastet. Danach ging es nachts mit einfachen Stadtbussen über 4000 Meter hohe Pässe direkt nach Spitak.

 

Zum Glück war es Dunkel

 

Zum Glück war es während der Fahrt dunkel, sodass man die Abgründe neben der Straße nicht sah. Nach Ankunft in Spitak war die Durchfahrt gespenstisch.

Es war alles dunkel, nur schemenhaft konnte man die Trümmer erkennen. Auf diesen saßen die Überlebenden an Lagerfeuern, da es Nachts bis zu minus 20 Grad Celsius kalt wurde.

Lagerplatz neben Verschütteten

Dem THW wurde ein Lagerplatz zugewiesen, der auf dem Gelände einer ehemaligen Aufzugfabrik lag. Speziell in dieser Fabrik vermutete man noch über hundert verschüttete Menschen.

Das Camp musste aufgebaut werden und die ersten Erkundungen wurden durchgeführt. Nach dem Aufbau konnte sich ein Teil der Mannschaft nach über 24 Stunden Anspannung zum ersten Mal zur Ruhe begeben.

Einsatzstelle: Aufzugfabrik

Diese Aufzugfabrik war dann am nächsten Morgen schwerpunktmäßig die Einsatzstelle. Hier wurden die Rettungshunde und das akustische Ortungsgerät eingesetzt.

Es wurden aber keine Überlebenden mehr gefunden. So vergingen mehrere Tage an den verschiedensten Einsatzstellen, die abgearbeitet wurden ohne jedoch Überlebende zu finden.

 

Aufpasser waren ständig zugegen

 

Es gab so gut wie keinen Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Vermutlich gab es Vorbehalte seitens der Bevölkerung, die dem Westen damals naturgemäß noch skeptisch gegenüber stand.  

Es war noch die Zeit des kalten Krieges und des beginnenden Umbruchs, Perestroika. Dies merkte man auch daran, dass jederzeit   Aufpasser an den Einsatzstellen zugegen waren. Man konnte nie so arbeiten wie man eigentlich wollte.

Abfahrt glich einer Flucht

Als das Einsatzende abzusehen war und immer mehr Millitär aufmarschierte, musste man sich alsbald Gedanken um die Rückführung der Helfer machen. Die Region war immer schon ein Unruheherd und die Verantwortlichen hatten die Befürchtung, das es zu Ausschreitungen kommen könnte. Auch bestand eine gewisse Unsicherheit gegenüber uns "Fremden".

Die Abfahrt aus Spitak glich dann fast einer Flucht.

Es wurde direkt zurück nach Eriwan gefahren. Von dort wurde nach längerer Wartezeit der Rückflug angetreten. Bis zu diesem Zeitpunkt war es jedoch nicht klar, ob wir endlich fliegen durften oder nicht.

Spät Abends landeten die Mannschaften gesund und glücklich in Frankfurt und konnten die Rückreise zu ihren Heimatstandorten antreten.

Zusammenfassung

Persönliches Fazit: Nach dem dies mein erster Auslandseinsatz war, 24 Stunden ohne Schlaf nach Ankunft in Spitak, die Lage mit den verschütteten Menschen und den ersten selbsterlebten Nachbeben, gab es eigentlich nur eines: "NIE MEHR". Daraus folgten bisher elf weitere Auslandseinsätze.

Für manche Helfer war das auch der erste Flug.

Es war der erste Einsatz der SEEBA, deshalb war alles neu. Das Zusammenspiel der Einheiten war noch nicht sonderlich erprobt. Das verwendete Material wurde selbst auf und abgeladen. Heute wird dies alles durch die SEElift (Schnelleinsatz-Einheit Logistikabwicklung im Lufttransportfall)organisiert, wobei das Material direkt von der Geschäftstelle Darmstadt vorgehalten wird.