Am 4. Februar fand in Mulhouse im Zuge der französischen Stabsrahmenübung "Exercice Richter" auch taktische Übungen mit Beteiligung des Technischen Hilfswerkes (THW) statt. Markus Reinhardt vom THW Viernheim betreute das Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS) des Karlsruher Institutes für Technologie.
In Frankreich wird jedes Jahr eine Großübung veranstaltet, um die Entscheidungsträger in den Stäben auf Katastrophenlagen vorzubereiten. Diese strategischen Übungen werden seit einigen Jahren durch reale Übungen begleitet. An der diesjährigen Übung nahm auch das THW teil. Gerade in Grenznähe ist es wichtig, dass die Katastrophenschützer aus Frankreich und Deutschland zusammenarbeiten.
Das angenommene Szenario der Übung war ein Erdbeben in der Gegend um Mulhouse. Dabei wurden verschiedene Bereiche der Stadt geschädigt. Unter anderem gab es Hangrutschungen, eine zerstörte Chemieanlage und viele Verschüttete in Gebäuden. Das THW übernahm dabei die Suche und Bergung von Verschütteten, die in einem Fabrikgelände vermutet wurden.
Zunächst erfolgte die Erkundung der Gebäude auf dem ehemaligen Fabrikgelände und das Retten der frei zugänglichen Verwundeten. Einige Bereiche der Gebäude wurden als einsturzgefährdet beurteilt. Deshalb wurden zuerst Abstützmaßnahmen getroffen. Erst dann konnte die Suche nach weiteren Verletzten fortgesetzt werden.
Der Viernheimer THW Helfer Markus Reinhardt und Michael Markus vom THW Baden-Baden hatten die Aufgabe mit dem Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS) die Gebäude zu überwachen. Hierzu werden spezielle Prismen angebracht, die regelmäßig von der Totalstation des ESS automatisch und hochgenau vermessen werden.
"Mit dem ESS lassen sich Bewegungen im Zehntelmillimeterbereich erkennen", so Reinhardt, "das System kann somit die Helfer frühzeitig vor Einsturzgefahr warnen und ermöglicht so eine rechtzeitige Evakuierung".
Bei der Übung konnten Einsatzerfahrungen gesammelt und Verbesserungsmöglichkeiten gefunden werden. Erstmals wurde unter realistischen Bedingungen das schnelle Anbringen der Prismen mittels Bolzenschussgerät an dem zu überwachenden Objekt erprobt.
"Die Übung ist ruhig und konzentriert abgelaufen. Die Zusammenarbeit mit den französischen und deutschen Kräften hat trotz Sprachbarrieren sehr gut funktioniert", so Reinhardt. Insgesamt konnten die Teilnehmer des THW die ihnen gestellten Aufgaben schneller als vorgesehen lösen. Die französischen Beobachter lobten bei der Nachbesprechung das professionelle und gezielte Vorgehen der THW Helfer.
Das THW stellte für die Übung einen Zugtrupp mit Teilen der ersten Bergung aus Breisach, der ersten Bergung aus Müllheim und die Ortungsgruppe des THW Emmendingen. Zwei Helfer aus Breisach und Emmendingen nahmen an der Stabsrahmenübung teil. Markus Reinhardt und Michael Markus vom THW Baden-Baden waren als Baufachberater eingesetzt und betreuten das Einsatzstellen-Sicherungssystem ESS aus Karlsruhe.
Das Einsatzstellen-Sicherungssystem ist über den THW Ortsverband Viernheim abrufbar.